Geburtshilfe - Textversion



Sprungmenue:
  1. Zur Suche 
  2. Zum Inhaltsbereich 
  3. Zur Hauptnavigation 
  4. Zur Unternavigation 
  5. Zum Newsticker 
  6. Zum Inhaltsbereich 
  7. Impressum, Sitemap, ... 
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Bereich Geburtshilfe
Startseite  >> 
Augenerkrankungen in der Schwangerschaft Poster Gera Tagung MDGG Juni 2010

 

Ophthalmologische Erkrankungen in graviditateund e graviditate
N. Patzer, S. Seeger, T. Hammer *)
Perinatalzentrum St. Elisabeth u. St. Barbara Halle,*) Augenzentrum "Frohe Zukunft" Halle

 

Zum geburtshilflichen Management vorbestehender ophthalmologischer Erkrankungen gibt es in der Literatur zum Teil widersprüchliche Empfehlungen von geringer Evidenz. Insbesondere wird die Möglichkeit der spontanen Entbindung unbegründet in Frage gestellt. Für folgende Entitäten gilt lt. Literatur und eigener klinischer Erfahrung folgende Empfehlung:

1. Myopie:

Betreuung während der Schwangerschaft:

Keine Anpassung neuer Kontaktlinsen, vermehrtes Trockenheitsgefühl bei Kontaktlinsenträgern, auf korrekte Linsenhygiene hinweisen,

Keine refraktiveChirurgie unmittelbar vor/nach oder in der Schwangerschaft und Stillzeit

Geburtsmodus:

Das Risiko der Netzhautablösung auch bei höhergradiger Myopie ist subpartunicht erhöht. Die über Jahrzehnte vertretene Lehrmeinung einer "schonenden" Geburt" u.U. durch primäre Sectiocaesareaoder eine vaginal-operative Entbindung ist heute obsolet. In Untersuchungen (Neri et al. 1985, Schweig et al. 1999) an Schwangeren mit repräsentativen Schweregraden der Myopie fanden sich nach Spontangeburt keine Veränderungen der funduskopischenBefunde. Fazit: Auch bei hochgradiger Myopie ist eine Spontangeburt möglich!

Empfehlung:

Fundoskopie2-4 Wochen vor und 4 Wochen nach Entbindung (Erfassung evtl. präexistenterauffälliger Befunde z.B: NetzhautforaminaAbb.2)

2. Ablatioretinaeoder Netzhautforamina:

Betreuung während der Schwangerschaft:

Jede Ablatioretinaestellt einen ophthalmologischen Notfall dar und muss stadiengerechtoperiert werden (z.B. Laserkoagulation oder Vitrektomie).

Geburtsmodus:

BeiZ.n. Netzhautablösung wurden nach Spontangeburt postpartalkeine Retinaveränderungen im Vgl. zum präpartalenStatus festgestellt. (Landau et al. 1995)

Empfehlung:

Ist die Ablatioretinaeunmittelbar vor oder in der Schwangerschaft aufgetreten oder besteht eine funktionelle Einäugigkeit nach früherer Ablatioretinae, so ist das v.a. bei zu erwartendem prolongierten Geburtsverlauf (Nullipara, fetale Makrosomie, usw.) eine relative Indikation zur Primären Sectiocaesarea.

3. Glaukom:

Betreuung während der Schwangerschaft:

Augeninnendruckmessung alle 4 Wochen; Strenge Indikationsstellung für Glaukommedikamente(Keinen Hinweis embryo- oderfetotox. NWBrimonidinund Pilocarpin); bei med. nicht einstellbarem Glaukom Indikation zur Lasertrabekuloplastik

Geburtsmodus:

Kontraindikation für Prostaglandine; komplikationslose Glaukomerkrankungkeine Indikation zur operativen Entbindung; bei weit fortgeschrittener glaukomatöserOptikusatrophieZahl der presswehenassoziiertenDruckspitzen minimieren → bei protrahierter Austreibungsperiode vaginal-operative Entb.

4. Katarakt oder Z.n. Katarakt-OP:Kein spezielles geburtshilfliches Procedere erforderlich, Keine elektive Katarakt-OP in der Schwangerschaft

5. HypertensiveErkrankungen / Präeklampsie:

VasospastischeIschämien und erhöhte vaskuläre Permeabilität könnenzuokulärenoder zentralen Sehstörungen führen.

Okulär: hypertensiveRetinopathie (Retinaoedem, Hämorrhagie, Exsudate, Cotton-wool-Herde); exsudative Ablatioretinae; Papillen- o. Makulaoedem

Symptomatik: Visusverschlechterung; Gesichtsfeldausfälle; Blindheit

Zentral: meist reversible posterioreLeukoenzephalopathie

Symptomatik: Kopfschmerzen; Augenflimmern; Photopsie; kortikale Blindheit (fast immer spontane Rückbildung nach 4 Stunden bis 8 Tagen);

Andere neurologische bzw. psychiatrische Symptome

Geburtshilfliches Management:

Bei schwerer Präeklampsie/ausgeprägter Hypertonie augenärztliches Konsil/Funduskopie, cranialesMRT kann erwogen werden

AntihypertensiveTherapie und geburtsmed. Procedere lt. Leitlinie; ausgeprägte ophthalmologische o. neurol. Symptomatik in Entscheidung einbeziehen

6. Diabetische Retinopathie:

Schwangerschaftsinduzierter Diabetes mellitus (Gestationsdiabetes): kein Risikofür diabetische Retinopathie

Manifester Diabetes mellitus: Es besteht das Risiko für Erstmanifestation oder Progress einer diabetischen Retinopathie
Risikofaktoren hierfür sind: Stadium der Retinopathie praeconceptionem; Alter; Dauer der Erkrankung;

Schlechte BZ-Einstellung im 1. Trimester; zu rasches Absenken des BZ im I. Trimenon; Hypertonie; ProteinuriealsIndikator einer generalisierten vaskulären Dysfunktion; Nikotin-/Alkoholabusus

Betreuung während der Schwangerschaft:

Langfristige präkonzeptionelleNormoglykämie(ca. 6-8 Monate) ; ophthalmologischer Status i.d.R. 1 x pro Trimenon, ggf. stadiengerechteTherapie z.B. Laserkoagulation . Vor Entbindung sollte der Befund des Augenarztes vorliegen.

Geburtshilfliches Management:

Die proliferative diabetische Retinopathie ohne weitere Risikofaktoren ist keine Indikation zur vorzeitigen Schwangerschaftsbeendigung und keine Kaiserschnittindikation . Jedoch bei weiteren Risikofaktoren wie z.B. durch Laserkoagulation nicht beherrschbare, fortschreitende proliferative Retinopathie oder Retinopathie in Kombination mit diabetischer Nephropathieist die Entbindung bereits bei 34 v. SSW zu diskutieren.

 

Download Poster "Ophthalmologische Erkkrankungen in und e graviditate"

zurück

LOGINBEREICH
Seite drucken
Klinik für Geburtshilfe + Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara +++ Mauerstr. 5 +++ 06110 Halle (Saale)